Adieu, Studivz!
bjo am 12. Februar 2007 um 15:57Als ich vor ca. 10 Jahren, mit 15-16 Jahren, zum ersten Mal im Internet war, machte ich mir um das Thema Daten nicht viele Gedanken. Bei einem Streit mit einem Kumpel hinterließ ich einige pubertäre Postings im Usenet – diese findet man, wenn man meine damalige E-Mail-Adresse weiß, immernoch bei Deja News (mittlerweile von Google aufgekauft).
Gestern abend habe ich mich im Studivz gelöscht. Ich gebe zu, es kostete Überwindung, denn mittlerweile war auch ein großer Teil meines sozialen Umfeldes im VZ. Als ich mich vor ein paar Monaten angemeldet hatte, war sogut wie kein Mensch aus meinem Freundeskreis dort Mitglied. Das VZ wurde irgendwann “cool”, wenn man jemanden kontaktieren wollte, so ging dies doch einfach über das VZ und wenn man sich fragt, ob das schnucklige Mädel, welches im Seminar vorhin Referat hielt, solo ist, so ist auch das rauszufinden.
Doch mit dem Aufschwung des VZ kamen auch die Probleme, mitunter Rund um den Datenschutz. Auch wenn mittlerweile einige Funktionen eingebaut wurden, um Crawling zu verhindern (im Dezember war dies noch möglich, siehe http://studivz.irgendwo.org ) – und somit die Daten für manche Gestalten nicht mehr ohne größeren Aufwand greifbar sind – anfang des Jahres übernahm der Holtzbrinck-Verlag das VZ für eine beträchtliche Summe und es stellt sich durchaus die Frage, welchen wirtschaftlichen Nutzen der Verlag daraus zieht.
In der Blogosphäre wird zum Thema StudiVZ und die Daten weiterdiskutiert, einige Gemüter sprechen gar vom Karrierekiller StudiVZ:
Den Karrierekiller Google kennte jeder, doch gibt es auch den Karrierekiller StudiVZ, den Karrierekiller Social Network? Dazu werden zufällig ausgewählte Profile untersucht. Es wird die Supersuche von StudiVZ angeschmissen, nach zufällig, in dem Moment ausgewählten, Kriterien gesucht, und dann kann es losgehen.
[...] Wenn man schon nicht auf StudiVZ, das Gruscheln verzichten möchte, so kann man wenigstens das eigene Profil wie eine Bewerbungsmappe gepflegt halten, denn was ich hier mal eben nebenbei gemacht habe, machen andere professionell. Was ich als noch normal ansehe, ist in *wirklich* konservativen Kreisen vielleicht schon wieder verpöhnt. Sichert und reinigt Eure Profile, liebe StudiVZ’ler – und wenn Ihr durch andere auf Fotos verlinkt werden, ich denke, da reicht eine freundliche Mitteilung mit Bitte um Entferung an den, der das Bild eingestellt hat.
(via FixMBR)
In den Kommentaren zum obigen Eintrag auf FixMBR wird u.a. auf die Pressemitteilung des BDU (Bundesverband Deutscher Unternehmensberater) verwiesen, man solle darauf acht geben, welche Daten man von sich ins Netz stellt.
Wer etwas über eine Person erfahren möchte, so eignet sich das StudiVZ wie bereits oben beschrieben recht gut, um einfach nur Kontake zu knüpfen – aber auch, um sich beispielsweise über die sexuellen Vorlieben zu informieren. Es mag moralisch verwerflich sein, denn im Grunde geht einen Personaler weder der Objektfetisch einer Bewerberin etwas an, noch dass diese gerne einen New Beetle fährt, aber die Daten sind nunmal abrufbar und man hat nicht wirklich eine Kontrolle darüber, wer diese Daten erfährt. Klar, man kann die Daten nur für Freunde sichtbar machen, aber dann verliert die Community auch seinen Reiz, denn man fragt sich möglicherweise, wer an der Uni auch dieses oder jenes gerne macht.
In anderen Communities mag dies anders sein – dort gibt man zwar auch Dinge von sich Preis, aber dies geschieht meist unter einem Pseudonym und man hat eine größere Kontrolle darüber, wer überhaupt erfährt, wer man ist – und sie sind nicht unweigerlich mit dem Realname verknüpft
Nachtrag: Wo gibt es eigentlich diesen Studiengang?

am 12. Februar 2007 um 17:29 Uhr.
Dem ist im Grunde nix mehr hinzuzufügen. Gute Entscheidung.
am 12. Februar 2007 um 20:57 Uhr.
Jep. Mein Account beschränkt sich inzwischen auf Namen und Stadt.
Wer mich sucht, der findet mich und einen weg Kontakt auf zu nehmen. Mehr aber auch nicht.
am 13. Februar 2007 um 02:17 Uhr.
Dem kann man nur voll zustimmen,
werd aber trotzallem dabei bleiben… hab einige sehr alte Freunde dadurch wieder gefunden
und ganz ehrlich… ich liebe das gruscheln ^.^
am 7. April 2007 um 12:32 Uhr.
Du meinst den Studiengang “Facility Management”?
Den gibt´s zB an der Berufsakademie in Stuttgart. Und in Berlin…