Es weihnachtet sehr…

Nyx am 9. Oktober 2007 um 14:05

Wir haben Oktober – das bedeutet offensichtlich, dass schon wieder Weihnachten wird.
An sich kein Problem, Lebkuchen entschädigt einen Menschen wie mich für vieles, und einige Kleinigkeiten kann man ignorieren, doch was zu viel ist, ist zu viel:
Wie möglicherweise schon bekannt ist, arbeite ich bei einem größeren Logistikunternehmen, und schon jetzt kommen täglich dreimal so viele Pakete an wie sonst – verpackt in Papier mit Schneeflocken, Weihnachtsmännern und Rentieren, während ich im T-Shirt draußen rumlaufe und die Sonne scheint wie an manchem Tag im Juli nicht.
In den Regalen der Supermärkte stehen sich in glitzernder, teilweise lilafarbener Folie die ersten Schoko-Weihnachtsmänner die Beine in den kalorienreichen Bauch, und mir ist in der Stadt tatsächlich zum ersten Mal die alljährlich zu Weihnachten wiederkommende Schnulze „Last Christmas“ begegnet … schauerlich, wenn man bedenkt, dass ich vorher Eis essen war und zur Feier des Tages nur in Cord- statt Leder-Motorradhose mit dem Motorrad angereist war.

Es wird nicht mehr lange dauern, dann entsteht bei mir vor der Tür wieder ein kriegsschauplatzähnlicher Zustand, wenn meine Nachbarn darum kämpfen, wer die „schönste“ (man könnte auch sagen die kitschigste) Weihnachtsbeleuchtung hat – heller, greller, bunter – und meinereiner hängt dunkle Decken vors Schlafzimmerfenster, um (schlafgestört, wie ich nun mal bin) wenigstens ein bisschen Schlaf zu finden in dem ganzen Geblinke und Geleuchte.

Was ich mich schon länger frage, ist, wie eigentlich am 24. 12. so ein Weihnachtsbaum aussieht, der Mitte Oktober irgendwo in einem Dorf in Schweden (oder kommen die jetzt auch schon aus China und enthalten giftige Substanzen wie das kürzlich importierte Kinderspielzeug?) abgesägt wird, dann einige Tage später aus dem Wald gezerrt und mit Hunderten von weiteren Bäumen auf einem LKW nach Deutschland gekarrt wird, auf dem Weg schon 50% seiner Nadeln verliert und noch vor Anfang November in einem deutschen Wohnzimmer landet – ich werde es wohl nie herausfinden:
Meine Familie stellt grundsätzlich am 23. 12. – selten auch erst einen Tag später – fest „Ach, wir brauchen ja auch noch’n Baum – das ja blöd jetzt!“ – panisch wird dann zum Baum-Bauern unseres geringsten Misstrauens (garantiert ohne giftige Substanzen) gereist und die schönste und vollste (und vor allem für unser Wohnzimmer mindestens um die Hälfte zu große) Nordmanntanne wird abgesägt, kopfüber in den Kofferraum des Familien-BMWs gestopft und festgezurrt – bis zu Hause wird’s schon halten, hat’s ja jedes Jahr… und pünktlich zum Heiligabend (der bei uns nicht allzu traditionell gefeiert wird, aber so’n wesentlich zu großer, kitschig geschmückter Baum, der das Wohnzimmer vollsudelt und von dem man im März noch Nadeln unterm Sofa, hinterm Kamin und in den Teppichkanten findet – und das trotz des Putzfimmels meiner Oma – muss schon sein) steht der riesige Baum dann zwischen den auseinandergeräumten Sofas am ehemaligen Stammplatz des Wohnzimmertisches, welcher jedes Jahr wieder dem Baum weichen muss („Aber nächstes Jahr nehmen wir nur’n gaaaanz kleinen Baum!“) und es kann begonnen werden, sich in alter Tradition am sogenannten „Fest der Liebe“ zu streiten und gegenseitig die Köpfe einzuhauen, wenn die Familie schon mal beieinander ist – ich werde jetzt aus lauter Vorfreude auf dieses großartige Fest einem von diesen Schoko-Kerlen aus dem Supermarkt den Kopf abbeißen gehen – in diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Ein Kommentar zu “Es weihnachtet sehr…”

  1. nikita

    “und mir ist in der Stadt tatsächlich zum ersten Mal die alljährlich zu Weihnachten wiederkommende Schnulze „Last Christmas“ begegnet …”
    Mir wird schlecht…

Einen Kommentar schreiben:

Du mußt angemeldet sein um einen Kommentar abgeben zu können.