Technik, die begeistert

Nyx am 5. Oktober 2009 um 06:27

Tja – was soll ich sagen? Irgendwie wird dieser Text wohl die Fortsetzung des Textes „Früher war alles besser“, scheint mir schon jetzt, bevor ich überhaupt den zweiten Satz fertiggeschrieben habe.

Anlass meiner nun folgenden geistigen Ergüsse war mein Herumspielen am Eee-PC meiner Praktikumsstelle – jeder, der das Ding kannte und den ich bisher dazu befragt habe, findet das Teil „total praktisch“ und „intuitiv zu bedienen“ – ich hingegen finde es einfach nur schrecklich, wenn ich jemanden sehe, der die ganze Zeit völlig autistisch auf dem Bildschirm vor sich herumtatscht… zumal die auf dem Bildschirm entstehenden Flecken einfach nur widerlich sind – der verkeimteste Teil eines Computers ist normalerweise die Tastatur, da kann ich auch zur Not mit leben (und von essen, aber dazu später mehr) – da muss ich schließlich nicht draufgucken, aber für so ein Gerät wie dem von mir beschriebenen sollte man zur Tarnung mal einen Desktophintergrund mit Fettflecken erstellen – bjochen, kannste das nicht mal realisieren und hier zum Download stellen?

Aber ich schweife ab.

Das scheint tatsächlich die I-Phone-Krankheit zu sein… ich glaube zwar nicht, dass es hier jemanden gibt, der von dem Ding noch nicht gehört hat, um allerdings trotzdem kurz zu erklären, was ein I-Phone ist, widme ich der Erklärung hier auch noch einen Satz: Ein I-Phone ist ein Telefon, von dem man sagt, es könne alles – man kann es sogar als Notizzettel benutzen… ja, ich habe tatsächlich jemanden kennen gelernt, der außen (!!) auf sein I-Phone mit Edding (!!) Telefonnummern und kleine Notizen schreibt… ich lasse das hier einfach mal so stehen, mir fehlten auch schon die Worte, als ich das zum ersten Mal sah.

Dass ein Telefon heutzutage keine Wählscheibe mehr hat – okay, ich habe mich damit abgefunden… aber was zum Teufel soll ein Telefon ohne Tasten? Ich fand es heraus, als ich in das Adressbuch eines I-Phones meine Daten eintragen sollte… es soll mich vermutlich einfach nur wahnsinnig machen.

Ich als Vertreterin des weiblichen Geschlechtes, die durchaus sogar in der Lage ist, Gitarre und bei Bedarf auch Geige zu spielen, hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dünnere Finger als der Durchschnitts-I-Phone-User – aber ich war schlichtweg überfordert damit, die nur wenige Quadratmillimeter großen „Tasten“ auf dem Touchscreen dieses Telefons auch nur annähernd zu treffen.

Telefon ist überhaupt ein gutes Stichwort: Ein Handy wird von englischen Muttersprachlern gern als „mobile“, was die Kurzform von „mobile phone“ ist, bezeichnet… also ein Telefon, mit dem man nicht-ortsgebunden telefonieren kann. Ja – telefonieren… das ging noch richtig gut mit den alten Knochen, die früher mal den Namen Handy trugen… ein riesiger Trümmer (auf dem aufgrund seiner Größe jedoch noch Platz für Tasten war), aus dem man eine noch riesigere Antenne zog, und wenn man Glück (in Form von Netz) hatte, konnte man dann telefonieren.

Heute muss ich mich, wenn ich an dem Ding ein falsches Gnöbbsche drücke, sofort zwischen MMS, SMS, RSS und ADS entscheiden (Eine kleine Anmerkung sei an dieser Stelle gemacht: Ich weiß ja nicht, was sich auf dieser Seite so für ein Klientel herumtreibt, aber solltest Du jetzt einer von denen sein, die im Wortlaut denken „Geil, Alter – der ihr Handy kann ADS, Digger!“, empfehle ich Dir hiermit meinen Artikel „Früher war alles besser“ etwas weiter unten – vielleicht hilft’s noch, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.) – das will ich alles gar nicht, ich will mit dem Dingens telefonieren!

Kann man damit auch. Nur mal auf’m Mopped durch’n Regenschauer fahren kann man damit nicht (beziehungsweise nur einmal), oder das Ding die Treppe runterfallen lassen – was mir persönlich viel wichtiger wäre als Funktionen wie MMS oder DHL (ja, der Witz mit dem ADS von vorhin hat mir einfach tierisch gut gefallen, ich dachte mir, von der Sorte geht noch einer).

Überhaupt scheine ich da eher eigentümliche Vorlieben zu haben: Dieser komische Eee-PC merkt zwar, an welcher Stelle des Bildschirms ich das Teil angrabsche, aber viel toller fände ich als bekennende vor-dem-Rechner-Nahrung-Konsumierende mal eine Krümelschublade unter der Tastatur oder auch eine Ablage für Schokolade – links und rechts vom Touchpad meines Notebooks wäre so viel Platz, warum ist das so blöde konstruiert, dass sich oben über der Tastatur, wo Platz für solche Dinge wäre, auf der gesamten Breite der blöde Lautsprecher befindet, wo die Krümel auf nimmer Wiedersehen drin verschwinden würden? Man weiß es nicht… immerhin ist links und rechts neben der Tastatur Platz für jeweils einen Duplo oder einen Kinder-Bueno, wenn man sich Mühe gibt auch für’n Mars oder Snickers – ist auch weggefressen, bevor es schmilzt, ich hab’ das im Griff, keine Sorge.

Zurück zum Neuerungen-Wahn: Dieser hat sich nicht nur auf die sogenannten neuartigen Rundfunkgeräte (an dieser Stelle möchte ich meinen persönlichen Dank an die GEZ für diesen herrlichen Begriff richten) ausgeweitet, sondern man findet überall im Alltagsleben solche großartigen Dinge – eine Mikrowelle konnte früher mal Essen warm machen – heute kann sie backen, grillen, auftauen – wahrscheinlich auch einfrieren, man weiß es nicht, aber nichts davon so richtig!

Pizza im Backofen der Mikrowelle ist ein absolutes genusstechnisches Desaster, oben schick mit leicht angebräuntem Käse, doch der Schein trügt: Außen ist das Ding hart, von unten weich und in der Mitte gefroren… und nach derartigen Experimenten stellt sich doch wohl jeder normale Mensch die Frage, wozu er eigentlich einen Backofen hat?

Das eigentlich erschreckende daran finde ich, dass es selbst Toaster mit Auftaustufe gibt… was bitte muss ein Toaster können außer an – warm – Toast auswerfen (heißt heute wahrscheinlich auch schon Toast-Eject)?? Ich versteh’s nicht und muss es auch nicht verstehen… auch in meinen Vorkriegstoaster konnte ich gefrorene Toastscheiben einwerfen und kriegte sie aufgetaut und sogar getoastet wieder – und das Ding hatte im Gegensatz zu meinem Notebook sogar eine Krümelschublade.

Ein Kommentar zu “Technik, die begeistert”

  1. Nyx

    bjo mach’ dat hübsch hier… von wegen “Ich will mehr” und so – und schreib’ mir mal ‘ne Anleitung, wie dat geht – habe nichts Passendes gefunden, was ich auf meinem Bildschirm hätte angrabbeln können, und nich’, dat ich hier noch wat kaputtmache von dat ganze neumodische technische Gelumpe. *gg*

Einen Kommentar schreiben:

Du mußt angemeldet sein um einen Kommentar abgeben zu können.