Begegnungen der dritten Art
Nyx am 17. Juni 2010 um 02:07Eines schönen Tages trug es sich zu, dass es mich mal wieder zum örtlich ansässigen Mopped-Touring-Rallye-Dreckfräsen-Navi-Technik-Höker verschlug – der Grund: Irgendwie muss dat Navi fest am Eimer, die Universal-Plaste-Lösung, die vom Hersteller mitgeliefert wird, schien mir nicht sonderlich vertrauenserweckend und überhaupt: Man gönnt sich ja sonst nichts… was man sich halt so einredet, bevor man viel Kohle verpulvert.
Ich also hin zu besagtem Laden – vor der Tür standen Menschen mit Motorrädern mit Alukoffern dran, in denen ich meine Zwiebacksägen komplett verstauen könnte – und zwar in jedem Koffer eine, und die dritte im überdimensionalen Tankrucksack… keine Ahnung, was die in der Stadt so mit sich rumschleppen, dass die damit rumfahren müssen… vielleicht ist da auch der externe Herzschrittmacher drin, man weiß es nicht.
Komplett angekommen und die Säge abgestellt, machte ich mich daran, mir die Klamotten vom Leib zu reißen (für alle, die jetzt Bilder im Kopf haben: nur partiell) und harrte dabei insgeheim schon der Dinge, die da kommen mochten.
Anfangs drehten sich nur mehrere Köpfe einer Truppe, die offensichtlich gerade mit einem Raummeter-Koffervolumen-Schwanzvergleich beschäftigt war, in meine Richtung – dann kamen sie mit dem unverkennbaren „Wat is’ dat denn?“-Blick (höchstens noch zu verwechseln mit dem „Is’ ja ekelhaft!“-Blick) auf mich zu… los, nu’ sag’s schon… irgendwer… na los!
Einundzwanzig… zweiundzwanzig…
„Wat is’ dat denn??“ Na bitte… geht doch… auf manche Dinge im Leben ist eben Verlass.
„Dat is’ ein Mopped – im Gegensatz zu Euren läuft das sogar nicht dauernd nur auf zwei Pötten!“ Weitere Kommentare unterblieben vorerst, wenngleich sich die Altherrenriege vor dem Geschäft mittlerweile wie um ein soeben gelandetes UFO um meine Ranzkarre versammelt hatte.
Nun also erstmal rein in den Laden und dat Navi auf’n Tisch gepackt: „Moin, Meister – die Originalhalterung ist ja wohl’n Witz, ich bastel’ nicht’n sauteures Navi mit ’ner Halterung für’n Materialpreis von einem Euro siemmunvierzich ans Mopped (jetzt argumentierte ich schon, wie ich’s eigentlich nur denen da draußen zugetraut hätte – ob ich mich da jetzt mit irgendwas angesteckt hatte oder ob das ein Instinkt war, damit man meine Intention hier auch versteht, war mir selbst nicht ganz klar) – gibt’s da auch was von Ratiopharm??“
Lange Rede, kurzer Sinn – man ging gucken.
Als man fertiggeguckt hatte, hatte ich ob der überall in diesem Laden herumstehenden, wüst aussehenden Gepäcklösungen, von denen mir eine mehr Angst machte als die andere, das merkwürdige Bild vor Augen, dass gleich jemand mit Luftballons in der Hand und einem komischen Hut auf dem Kopf hinter dem Verkaufstresen hervorspringen, in eine Tröte pusten und mir entgegenbrüllen würde: „Sie sind unser zehntausendster Kunde! Sie haben ein Kofferset Marke „drei Zimmer, Küche, Bad“ gewonnen! Hier ist Ihr Preis!“ – vor meinem geistigen Auge erschlug mich daraufhin eine Lawine von Blechkoffern, während ich in den letzten Sekunden meines Lebens nach Luft ringend darüber nachdachte, wie ich auf kürzestem Weg mit der Säge in die nächste Wüste komme und ob das der Kettenöler mitmacht… keine schöne Vorstellung, ich musste hier dringend raus.
Der Preis, den der Typ haben wollte, riss mich dann trotz Freundschaftspreis (man kennt sich halt – er kann ja nichts für seine sonstigen, etwas sonderbaren Kunden) auch endgültig aus meinen Träumen… Kohle auf’n Tisch und raus hier.
Das Klientel, das sich um mein Mopped herum versammelt hatte, hatte sich zwischenzeitlich nur geringfügig geändert. Während ich mich in meine Jacke zwängte, hatte einer von den Typen offensichtlich etwas entdeckt: „Das ja nur ’ne 400er!“ Ach, sach’ bloß… wo ist eigentlich Dein Schild? „Fährst Du damit auch weiter weg??“ – „Nee, das ist bloß das Moped für inne Stadt – um Deutschland zu umrunden, reicht die kleine 250-ccm-Schwester.“
Helm auf und wech – und so schnell auch nicht wieder hin, wenn’s nach mir geht.
am 18. Juni 2010 um 22:23 Uhr.
Ich hingegen könnte ein Kofferset Marke „drei Zimmer, Küche, Bad“ ganz gut gebrauchen. Das kann man mit der Bahn transportieren, überall aufstellen und somit überall wohnen. Toll! Und das Geld für die Miete, die ich mir dann spare, kann ich in ein Interrail-Ticket oder eine Bahncard 100 investieren. Dann kann ich echt überall wohnen. Tolltoll!