Kunst im Straßenverkehr
Nyx am 29. August 2010 um 14:40Nachdem man bei Shell nun nicht mehr auf dem Moped sitzend tanken darf, seit irgendein Dödel mal seinen Rüssel zu dicht über den Tank gehalten hat, woraufhin er aus den Latschen, sein Eimer auf die Seite und der Sprit aus dem Tank auf den Boden kippte, kann man nun bei Aral offensichtlich seine eigene Tanksäule pachten – zumindest erweckte mein heutiges Tankerlebnis bei mir stark den Eindruck, und eine freundliche Dame bestätigte ihn mir.
Besagte Dame in einer Mittelklassedose vorwiegend deutscher Produktion rangierte wild auf dem Tankstellengrundstück umher – ich dachte mir da zunächst nichts weiter bei, konnte ja sein, dass sie gerade eine Wendeaktion in 37 Zügen praktiziert oder ich gerade Zeugin einer Kunstaktion werde – man wusste es nicht, und so stellte ich mich an eine Tanksäule weit genug vom Schauspiel entfernt und harrte der Dinge, die da kommen mochten, während ich nach meinem Portemonnaie in der Jackentasche fummeln, den Helm abnehmen und die Handschuhe ausziehen wollte – das alles neben dem Bock stehend: Wir erinnern uns an die Sache mit Shell, sicher ist sicher (obwohl ich, wenn ich will, meinen Riechkolben theoretisch auch neben der Karre stehend über die Einfüllöffnung des Tanks halten könnte).
Wie ich genüsslich in meiner Jackentasche kramte (Frauen halt: Neben besagter und gesuchter Geldbörse befanden sich in der Tasche unter anderem eine seit Jahren eingetrocknete Wimperntusche, etwas, was einst (als es noch Zinken hatte) ein Kamm gewesen sein könnte sowie eine beachtliche Sammlung an Lippenpflegeutensilien, welche teilweise zumindest optischen Gesichtspunkten nach zu urteilen aus Vorkriegszeiten zu stammen scheinen – Einzelheiten zu Sammlungen von Damenhygieneprodukten erspare ich Euch an dieser Stelle….), begann die Kunstparkerin nun im Rückwärtsgang auf mich zuzurollen… ich beobachtete die Aktion erst einmal weiter, bis die Dame nur noch etwa gute 30 cm vom Vorderrad meiner Karre entfernt war und entschloss mich dann spontan, der guten Frau beim Einparken zu helfen, indem ich ihr schneller werdende Klopfzeichen auf ihre Heckscheibe gab, damit sie den Abstand besser einschätzen konnte.
Mir war noch immer nicht ganz klar, was hier nun passieren sollte – auch das freundliche Hupen der Dame war nicht allzu aufschlussreich: Ich interpretierte es als Dankeschön für meine Einweisung beim Einparken, wollte nicht unhöflich sein, machte die Zündung wieder an und hupte begeistert zurück – während der Tankstellenpächter, offensichtlich ein Fan von Kunst im Straßenverkehr, die Aktion nun auch schon mit amüsiertem Gesichtsausdruck verfolgte.
Die Dame stieg aus und wollte sich offensichtlich noch persönlich für meine Freundlichkeit bedanken, fragte mich dann jedoch irgendetwas von ob das meine Tanksäule sei – erstaunt entgegnete ich, dass mir nicht bewusst war, dass man sich bei Aral jetzt schon seine eigene Tanksäule pachten konnte, bedankte mich für die Information und sinnierte während meines Tankvorganges darüber, ob so eine eigene Tanksäule nicht vielleicht ein nettes Geschenk zur Einschulung meiner Geschwister sein könnte.
Währenddessen hatte sich nun auch die Dame zum Tanken entschlossen – eine Tanksäule vor mir (welche schon die ganze Zeit frei war wie alle anderen Tanksäulen zu diesem Zeitpunkt, aber vielleicht hatte jemand anders sie gepachtet), mit der gleichen Seite der Dose zur Tanksäule, mit der sie vorher auf die andere Säule zugefahren war… und der gegenüberliegenden Seite von der, auf der ihr Tankdeckel sich befand.
Nach Beendigung meines Bezahlvorganges beobachtete ich die Dame noch kurze Zeit dabei, wie sie die ordnungsgemäße Länge des Schlauches an der Zapfsäule überprüfte, während ich zur Weiterfahrt aufrödelte – das Ergebnis der Schlauchlängeneichung habe ich dann nicht mehr verfolgt, mich lockte die (noch) scheinende Sonne, und die hübsche Schwarze und ich verabschiedeten uns mit einem freundlichen Vierzylinderbrüllen aus dem Endtopf… schönen Tag noch!